Die Säle von Friedrichswalde

Friedrichswalde, 1748 auf Erlaß Friedrich des Großen gegründet, hatte einst vier Gasthöfe, die alle über einen Saal verfügten. Für ein Dorf, das zeitweise knapp über 1500 Einwohner hatte, eine erstaunliche Tatsache.

Die vier Säle in Friedrichswalde gehörten zu den Gaststätten Zum deutschen Hause, Zur Eisenbahn (jetzt Gemeindesaal), Zur Post (jetzt Stille Post) und Zur Kegelbahn (jetzt Hollerhof), alle an der Dorfstraße gelegen, je zwei im Ortsteil vor der Kirche und zwei im Ortsteil nach der Kirche.

Die Säle in Friedrichswalde waren die Orte, in denen Familienfeste gefeiert wurden, es gab Tanzveranstaltungen, Maskenbälle, Weihnachtsfeiern… Alle Gaststätten wurden im Nebenerwerb betrieben – neben Landwirtschaft, Kohlenhandel und anderem. Im Laufe der Zeit aber wurde der Betrieb an all diesen Orten der Begegnung Stück für Stück aus verschiedenen Gründen eingestellt.

Die haben ja so ein bisschen unterschieden nach dem ersten Weltkrieg. Hier (im jetzigen Gemeindesaal) waren die Nationalen drin, hier in dieser Gaststätte. Da oben bei Richard Busse, das war das "Deutsche Haus," da sind alle da hingegangen, die ihre Ruhe haben wollten. Bei der Elsbeth sind die Sozialdemokraten hingegangen und bei Bechlems waren alle die Bessergestellten.

Die Säle heute

Im Jahre 2022 hat der Ort noch etwa 600 Einwohner – und es gibt keinen einzigen gastronomischen Betrieb mehr, kein Frühschoppen, keine öffentliche Tanzveranstaltung …

Wir möchten die Säle in Friedrichswalde – in gewisser Weise historischen Orte – zumindest temporär allen wieder mehr zugänglich machen und hoffen sie zeitweise noch mehr zu beleben. 

Für die Recherche zur Geschichte der Säle sind wir auf der Suche nach Tatsachen und Geschichten – ergänzend zu dem, was uns schon bekannt ist. Zu dreien der vier Säle ist hier zumindest schon einiges zu finden. Wann immer wir mehr an Informationen bekommen, werden wir diese Seiten entsprechend ergänzen oder verbessern. Wenn Sie uns bei unserer Suche helfen können, schreiben Sie uns bitte Ihre Geschichte!

Der Gemeindesaal - ehem. "Gasthof zur Eisenbahn"

Der Saal im ersten Stock der heutigen Gemeindevertretung gehörte ursprünglich zum Gasthof „Zur Eisenbahn“ – Wirt August Heiert teilte sich das Gebäude ursprünglich mit einem „Materialwaren Geschäft“.

Heute steht der Saal als Gemeindesaal allen Einwohnern von Friedrichswalde für eine kleine Gebühr für private Feiern zur Verfügung.

Der Hollerhof - ehem. Gaststätte "Zur Kegelbahn"

Der Hollerhof, bis 2006 als Gaststätte betrieben, hat eine interessante Geschichte. Erzählungen von älteren Dorfbewohnern nach war dort immer viel los… Lange führte die legendäre Elsbeth Heiert nach ihren Eltern die beliebte Dorfkneipe.

Der alte Tanzsaal wurde 1929 von Elsbeths Vater, „Amtmann“ Feick, als allein stehendes Gebäude hinten auf dem Grundstück erbaut und gehörte mit der Kegelbahn zur Gaststätte „Zur Kegelbahn“. Bis Mitte der 60er Jahre wurde er ausgiebig zum Tanzen und Feiern genutzt.

Damals waren, wie wir von einer Nachbarin erfuhren, der Maskenball und die Weihnachtsfeier im Saal besondere Ereignisse im Jahr, an die sie sich gern erinnert. Zudem gab es sonnabends Tanzveranstaltungen, natürlich immer mit Live-Musik.

Aber auch ganz andere Nutzungen erlebte der charmante Saal: Einige noch erhaltene Turngeräte zeugen davon, dass der Sohn der alten Wirtsleute passionierter Turner war und dort nicht nur den Friedrichswalder Turnverein trainierte. In den 70ern wurde er auch als Turnhalle für die Dorfschule genutzt

Danach verfiel er in einen langen Winterschlaf, bis das Grundstück 2007 von Charlotte Bieligk gekauft und wieder zum Leben erweckt wurde. Heute kann man sowohl die Ferienwohnung als auch den Saal mieten und es finden dort wieder regelmäßig Veranstaltungen für das ganze Dorf statt.

Die Stille Post - ehem. Gaststätte "Zur Post"

In der Stillen Post, bis ca. 2009 als Gaststätte „Zur Post“ betrieben, fand oben im Saal noch lange Zeit die örtliche „Disko“ statt.

Eine Zeit lang diente der Saal als Proberaum für den Friedrichswalder Gesangsverein, bis dieser dann den Gemeindesaal nutzen konnte. Auch Kino-Vorstellungen gab es hier.

Zu ihrem Namen kam die Gaststätte, weil früher in dem Gebäude die örtliche Poststelle beheimatet war, zu der man durch den Gastraum gelangte.

2009 wurde aus „Zur Post“ die „Stille Post“. Das Gebäude beherbergt jetzt Ferienwohnungen und Zimmer. Der Saal wird z.B. für Seminare, Workshops und private Feiern genutzt.